Glossar
Translatio imperii
Mittelalterliche Vorstellung: das römische Kaiserreich ist nicht untergegangen, sondern nur „übertragen" worden — von Rom über Byzanz zu den Franken. Mit Karls Krönung 800 verstanden sich die fränkischen und später römisch-deutschen Herrscher als Erben Roms.
Langform
Die Lehre der Translatio imperii ist eine theologisch-politische Konstruktion, die das Fortbestehen des Imperium Romanum als heilsgeschichtliche Notwendigkeit deutet (Daniel 2,44). Otto von Freising systematisierte sie im 12. Jahrhundert. Sie legitimierte das Heilige Römische Reich Deutscher Nation bis zu seiner Auflösung 1806 und war Argument in Konflikten mit Byzanz, Frankreich und dem Papsttum um den Anspruch auf das wahre Imperium.